Der Weg des Golfens in die Gesellschaft

2 Golfer auf dem Platz am Putten.© Kzenon - Shutterstock.com

Einst wurden Golfer müde belächelt. Golf sei gar kein richtiger Sport und überhaupt können es sich nur gut Betuchte leisten, Golf zu spielen. Diese Meinung war vielerorts zu hören. Heute ist Golf mitten in der Gesellschaft angekommen. Kinder und Jugendliche können sich ebenso dafür begeistern wie mit beiden Beinen fest im Leben stehende Mittdreißiger und rüstige Rentner. Zudem ist der Ballsport für Männer und Frauen gleichermaßen attraktiv.

Das soll zum Anlass genommen werden, die Geschichte des Golfsports und seine Rolle in der Gegenwart einmal näher zu betrachten – wie sind wir denn hierhin gekommen, wo wir gerade stehen?

Die Erfindung des Golfs wird den Schotten zugesprochen

Als Erfinder des Golfs gelten die Schotten. Alle Zweifel ausräumende Beweise dafür gibt es aber bisher nicht. Weitere Anwärter sind Holland, Frankreich und Flandern. Aus diesen Ländern existieren Abbildungen, die Szenen aus einem dem Golf ähnlichen Spiel zeigen. Die alten Ägypter und das antike Rom sowie das frühe China, Japan und Korea gaben sich ebenfalls einem Spiel mit Ball und Schläger hin, das dem Golf ähnelte. Daher ist eine klare Abgrenzung, bis wann noch von einem Vorläufer des Spiels ausgegangen werden muss und ab wann es sich tatsächlich um Golf handelt, nicht möglich.

Unstrittig ist allerdings, dass von den frühen Formen des Golfs lediglich die schottische Spielvariante noch heute praktiziert wird. Jene trat in den außerhalb von Großbritannien liegenden Ländern im 19. und 20. Jahrhundert ihren Siegeszug an.

Die Anfänge des Golfs reichen bis ins Mittelalter zurück

Das Wort Golf tauchte in der heute gebräuchlichen Schreibweise erstmals in einem schottischen Dokument aus dem Jahre 1457 auf. In jenem forderte das Parlament von König James II. ein Verbot des Golfspiels. Stattdessen solle lieber eine königliche Anordnung für das Üben des Bogenschießens erlassen werden. Die Könige James III. und James IV. übernahmen jeweils die Order ihres Vorgängers. Als 1502 zwischen England und Schottland Frieden geschlossen wurde, war die Notwendigkeit für Bogenschießübungen nicht mehr gegeben. Es durfte wieder gegolft werden. Das war ebenfalls im Interesse von James IV.

Bald nach dem Friedensschluss wurde nämlich bekannt, dass dieser selbst ein passionierter Golfspieler war. Man fand eine Rechnung über die Anfertigung von Golfschlägern auf seinen Namen, die aus der Hofkasse beglichen wurde. So konnte sich nunmehr auch die Bevölkerung wieder guten Gewissens dem Golfspiel widmen.

Mit königlicher Unterstützung werden die Briten zu Golfern

Nachdem sich der König öffentlich zum Golfsport bekannt hatte, verbreitete sich dieser innerhalb des 16. Jahrhunderts in ganz Großbritannien und in nahezu allen Bevölkerungsschichten. Der erste bürgerliche Golfer mit Namen Sir Robert Maule wurde 1527 erwähnt. St. Andrews fand als Ort zum Golf spielen 1552 Erwähnung. 1691 wurde die Stadt in einem Brief als „Metropole des Golfs“ bezeichnet. 1553 gestattete der Erzbischof mit einem Dekret, dass die einheimische Bevölkerung künftig gleichfalls den Golfplatz nutzen dürfe. Kurze Zeit danach brachte Maria Stuart Golf mit nach Frankreich. Sie wurde 1567 dafür kritisiert, dass sie sich unmittelbar nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes diesem Sport widmete. Unter König James VI. wurde der erste königliche Golfschlägerbauer ernannt. 1603 konnte William Mayne seine Berufung als „Royal Clubmaker“ entgegennehmen.

In Amerika tauchte der Begriff Golf erstmalig 1659 schriftlich auf. Damals wurde das Spiel auf den Straßen von Albany, einer Stadt im Bundesstaat New York, verboten. Der erste bekannte Caddie war Andrew Dickson. Er trug anlässlich des ersten internationalen Wettkampfs im Jahre 1682 in Leith die Ausrüstung des Duke of York. Jener repräsentierte gemeinsam mit John Paterson Schottland. Gegner waren zwei unbekannte Engländer, die gegen das schottische Gespann verloren.

Im 18. Jahrhundert entstanden die ersten Golfclubs

Der erste Golfclub war der Royal Burgess Golf Society. Gegründet wurde er 1735. Neun Jahre später formierten sich die Gentlemen Golfers of Leith. Die Mitglieder dieses Clubs waren außerdem die ersten, die ein geschriebenes Regelwerk über die formalen Anforderungen zur richtigen Ausübung des Golfsports herausgaben. Der Club existiert noch heute, allerdings unter dem Namen Honourable Company of Edinburgh Golfers. Als der älteste standorttreue Golfclub gilt die St. Andrews Society of Golfers, heute Royal & Ancient Golf Club of St. Andrews. Ihre Gründung erfolgte 1754. In St. Andrews nahm auch das Zählspiel 1759 seinen Anfang. Davor war lediglich das Lochspiel bekannt. Die 18-Loch-Runde gibt es seit 1764.

Der erste Golfclub außerhalb Schottlands entstand 1766 in Royal Blackheath bei London. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts interessierten sich zunehmend die Damen für den Golfsport. In Musselburgh, in der Nähe von Edinburgh, wurde 1810 erstmals über ein Damenturnier berichtet. In St. Andrews formierte sich 1867 der erste Golfclub nur für Frauen. Das älteste, bis heute veranstalte Golfturnier – die Open Championship – beging 1860 in Prestwick seine Erstauflage. Sieben Jahre danach schaffte Young Tom Morris das erste dokumentierte Hole in One.

Ende des 19. Jahrhunderts hält Golf in Deutschland Einzug

Ab 1892 gab es auch in Deutschland einen ersten Golfclub, den Darmstadt Golf Club. Neu war das Spiel aber nicht: Schon 1889 nutzten britische Kurgäste den Kurpark von Bad Homburg zum Golfen. Die United States Golf Association, kurz USGA, wurde 1894 gegründet. 1898 gilt als Erfindungsjahr der Zählweise nach Stableford. Spätestens mit Austragung der Olympischen Spiele 1900 und 1904 schaffte Golf die internationale Anerkennung als Sportart. 1907 begann der Deutsche Golf Verband mit seiner Geschäftstätigkeit. Dass das Golf spielen inzwischen auch als Beruf ausgeübt werden konnte, bewies die 1916 erfolgte Gründung der PGA of America. Sie war die erste Interessenvertretung für Berufsgolfer.

Golf wird zum Breitensport

Im Laufe der Zeit bekannten sich immer mehr Menschen zum Golf. Als Bundespräsident Walter Scheel im Juni 1977 auf Staatsbesuch in Mexiko war, ließ er es sich nicht nehmen, eine Runde Golf zu spielen.

Am Ende war es Tiger Woods, der den Golfsport in die Köpfe aller brachte. Aber auch die Golfverbände und –clubs taten viel, um Golf zum Breitensport werden zu lassen. Mit Cross- und Swingolf wurden zwei Golfvarianten geschaffen, die den Einstieg in den Golfsport wesentlich erleichtern. Des Weiteren wurden finanzielle Hindernisse wie teure Aufnahme- und Jahresgebühren aus dem Weg geräumt. Die früher aus England importierte und deshalb kostenintensive Ausrüstung ist nun ebenfalls im deutschen Sportfachhandel zu vertretbaren Preisen erhältlich.

Öffentliche Golfplätze können von jedem genutzt werden. Private Einrichtungen ermöglichen Nichtmitgliedern die Nutzung ihres Platzes als Tagesgäste. Profisportler tragen ferner zur Verbreitung des Golfsports bei. Fußballer wie Thomas Müller und Stefan Kießling verbringen ihre Freizeit öfters auf dem Golfplatz. Zu den bekennenden Golffans zählen weiterhin Boxweltmeister Wladimir Klitschko, Rosi Mittermaier und Franz Beckenbauer. Vor allem letzterer widmet sich überaus gerne dem Golfsport.

Die GOFUS – Fußballer spielen Golf für einen guten Zweck

Die besondere Verbundenheit von Fußballern zum Golf drückt die GOFUS aus. Die Idee dazu wurde 2001 von Norbert Dickel, Eckhardt Fenner und Arnt Vesper bei einem gemeinsamen Bierchen ins Leben gerufen. Sie wollten ehemaligen und aktiven Fußballprofis eine Golfheimat schaffen. Ihr Vorhaben fand großen Anklang. Fast 500 Personen haben sich der GOFUS bis heute angeschlossen.

Neben Thomas Müller, Stefan Kießling und ehemaligen wie Franz Beckenbauer sind auch Michael Skibbe, Hansi Flick, Oliver Bierhoff, Uwe Seeler und Uli Hoeneß hier aktiv. Sie spielen bei der GOFUS aber nicht nur zum Vergnügen Golf. Regelmäßig finden Veranstaltungen statt, deren Erlöse Kinder und Jugendlichen aus wirtschaftlich schwächer gestellten Familien zu Gute kommen. Davon werden Spiel- und Bolzplätze gebaut. Mehr als 90 Projekte wurden seit der Gründung bereits verwirklicht. Über 3,5 Millionen Euro kamen dafür zusammen. GOFUS ist außerdem Initiator eines Netzwerks, das sich aktiv um die Beschaffung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen für Jugendliche kümmert, die auf einer eigenen Jobbörse veröffentlicht werden. Mehr als 8.500 Hauptschüler haben allein in den letzten drei Jahren einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz mit Hilfe der GOFUS gefunden. Nicht nur Fußballer können sich für diese Organisation erwärmen.

Prominente Unterstützung gibt es beispielsweise auch von Anette Frier, Piet Klocke, Axel Schulz, Jan Josef Liefers, Tanja Schumann und Sonja Zietlow. Die Zahl der Anhänger wächst beständig. In Holland, Frankreich, Spanien, Österreich und der Schweiz wurde die Idee zur GOFUS ebenfalls aufgegriffen und umgesetzt.

Ab 2016 dürfte Golf noch einmal einen Popularitätsschub erhalten: Das IOC hat nämlich beschlossen, dass Golf dann wieder zu den olympischen Sportarten zählt und es werden wohl noch mehr Kinder, Jugendliche sowie Stars und Sternchen dem Golfsport zuströmen. So beliebt wie derzeit war Golf schon lange nicht mehr.

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